Der zunehmende Weltraumschrott beunruhigt die Weltraumbehörden schon seit einiger Zeit. Bis zu 12.000 Objekte ab einem Zentimeter Größe kreisen mittlerweile um die Erde. Die den Menschen eigene kulturelle Praktik des Entsorgens ufert aus, über die Grenzen unserer Welt, unseres Daseins hinaus. Schon jetzt ist der Mond mit seinen „günstigen“ Bedingungen eine Mülldeponie. Rund hundert Tonnen Altmetall und -plastik, darunter die Überreste der Sowjet-Sonde „Lunik 2“, das erste Mondauto der „Apollo 15“-Mission sowie die Spaceboots von Aldrin und Armstrong von 1969 lagern auf der Mondoberfläche (Bethge 2010). Tatsächlich hatte man den Mond als Lagerungsstätte für Atommüll in Betracht gezogen (David 2002).

Faszination Mond. © foxnews.com

Eine eher kommerzielle Umsetzung dieses Gedankens vollzog eine US-Firma via eBay im Jahr 2004. Das Auktionshaus bot Millionären an, einen „Container of Cargo“ (Fassungsvermögen: zehn oder zwanzig Kilogramm auf bis zu 0,250 Kubikmeter) – Müll – auf den Mond zu schießen. Die US-Firma Orbital Development forderte zum damaligen Zeitpunkt sechs Millionen Dollar als Mindestgebot. Im Preis enthalten seien ein zu befüllender Container, ein russisches Raumschiff, das mit knapp 9000 km/h zum Mond fliegt und Logenplätze beim Start der Rakete. Der Meistbietende kann (der Service mit dem Namen „The Moon Crash Project“ wird weiterhin angeboten) sich die Einschlagstelle auf dem Mond sogar aussuchen. (Dazu ist die interaktive Mondkarte hilfreich.)

Die Fantasie des Menschen in Bezug auf Erzeugung, Verhüllung und Verwandlung von Müll scheint grenzenlos. Das Verständnis dieser Praktik steckt hingegen noch weitestgehend in den Kinderschuhen.
Die Forschung zu den Entstehungsbedingungen von Müll schon im Designprozess wird zumindest in der Kreation von „neuen“ Artefakten eine Verbesserung des Verständnisses vom Leben und Sterben der Dinge bewirken. Ein solches grundsätzliches Verständnis aufseiten der Designer wird allmählich aber unweigerlich zu einer Veränderung des Umgangs mit den Dingen führen. Die Etablierung von designeigenen Methoden und Maßnahmen zur Ananlyse des gegenwärtigen Müllkonstruktes bietet die geeignete Ausgangsposition für Nachwuchsdesigner neue Wege in Bezug auf die “Wegwerfgesellschaft” zu beschreiten