Achtung, es wird kompliziert: Die Begeisterung bzw. die Bereitschaft zur Mülltrennung in der Bevölkerung nimmt trotz „grünem Image“ ab. So landen mancherorts mehr als 50 Prozent des „Grüne-Punkt“-Mülls in der Restmülltonne und entgehen somit der Verwertungsindustrie. Der mitunter finanzielle Ausfall ist dabei hoch genug, dass Menschen beschäftigt werden, Verpackungsmüll aus Restmülltonnen heraus zu sortieren. „Die Gelbe Tonne, die befülle hauptsächlich ich, aus der Feinsortierung der Restmüllbehälter.“ sagt ein Müllsortierer im Interview mit dem ARD Magazin Panorama.

Die “Nachsortierung” durch einen Angestellten der BSR Tochter Berlin Recycling. 2013.

Woran liegt dieser Trennungsverdruss? Wie oben erläutert, ist Mülltrennung ein Wirtschaftskonzept und fest in Verträgen und Gesetzen geregelt. Wer nun denkt, dass dieses System logisch aufgebaut ist, irrt. Wieder einmal ist es der „Star“ unter den Materialien – Plastik –, der für Verwirrung sorgt. Die meisten Verpackungen, die wir kaufen und wegwerfen, sind aus Kunststoff oder aus Verbunden, die meist aus einer oder mehreren Kunststoffkomponenten bestehen. Im Jahr 2011 waren es 597.500 Tonnen Verpackungsmüll aus Verbundstoffen (Umweltbundesamt 2014). Das hört sich nach viel an, ist es auch. Man bedenke, diese Zahl beschriebt das Aufkommen an Verpackungsmüll ausschließlich aus Verbundmaterialien.

Alles, was keine Verpackung ist, darf vielerorts nicht in die Gelbe Tonne. Obwohl es technisch und auch administrativ durchaus möglich ist auch andere Kunststoffabfälle zu verwerten, wie das Beispiel Berlin zeigt. Noch bevor die Bundesregierung das entsprechende Wertstoffgesetz auf den Weg bringt, gibt es in Berlin seit Januar 2013 die neue „Wertstofftonne“, die gemeinsam von der Berliner Stadtreinigung (ein kommunales Unternehmen) und ALBA (Teil der internationalen ALBA Group Gesellschaft) „betrieben“ wird. Sie löst die bisher üblichen Sammelbehälter Gelbe Tonne, Gelbe Tonne Plus und Orange Box ab. In ihr werden Verpackungen und andere Gegenstände aus Kunst- und Verbundstoffen, Metall sowie Aluminium gesammelt. Zuvor gab es viel Streit um die Sammlung weiterer Kunststoffabfallarten in einer Wertstofftonne. Und dieser Streit wird sich wohl fortsetzen. Denn nun sind erste Zahlen publik geworden, nach denen die Berliner die Restmülltonne nach wie vor “falsch” befüllen. So gehen auch in Berlin Wertstoffe “ungenutzt” in die Verbrennung.