“Mehr Recycling!” © IKEA

Chaos weckt immer auch Faszination. Müll als Oberbegriff für die Dinge des Lebens, die nicht mehr in die Ordnung des Alltags hineinpassen, beschreibt meist ein gewisses Chaos. Denn Müll als der Status des “nicht mehr” ist eine Sammelbecken für die verschiedensten Dinge, die wir kurz oder lang besessen haben. Es ist wahr, dass hier in Deutschland das Chaos, das eigentlich implizit im Müll steckt, weitestgehend einer neuen Form der Ordnung gewichen ist. Recycling bringt ein Ordnungssystem der ausgestoßenen Dinge mit sich, das den Fakt des Entsorgens umweltfreundlicher machen soll. Dennoch kann man mit Gewissheit sagen, dass trotz aller Ordnung, die entsorgten Dinge die Spuren ihrer Nutzung oder ihres Lebens mit den Menschen zeigen. Diese Spuren können mitunter als durchaus hässlich oder schmutzig empfunden werden.

Dieser Müll kann sich sehen lassen! © IKEA

“Hässlich” ist gemeinhin keine Eigenschaft, die sich gut verkauft. Würde man ein Toilettenbecken verkaufen wollen, würde man sicher nicht Gebrauchsspuren hinzufügen um Authentizität zu suggerieren. IKEA verkauft nicht nur Möbel, sondern auch Lebensentwürfe. Kataloge der Firma werden in Bezug auf Leitbilder und Metaphern zum familiären Gefüge (Patch-Work-Familie, Singel-Haushalte) und zur Gesinnung (Regale voller Einmachgläser als Zeichen für den Umgang mit Nahrungsmitteln) gedeutet. Auch wenn es uns nicht gefällt, der Einflussfaktor eines IKEA-Katalogs ist kaum zu unterschätzen. Die internationale Auflage des Katalogs (in 29 Sprachen), mit 212 Millionen Stück, liegt dabei doppelt so hoch wie die der BIBEL.

“Mehr Recycling”, mit 13 Kisten ist das ganz einfach. © IKEA

Auch IKEA stellt das soziale Phänomen “Entsorgen” dar. Unter dem Titel “Aufbewahrung” (auch hier wird ein Widerspruch zum eigentlichen Inhalt der Thematik Abfall deutlich) stellt die Firma ihre Recycling-Helfer aus. “Mehr Recycling” fordert IKEA und stellt fest: “Recycling geht ganz einfach, wenn du ein System hast, mit dem du gerne und einfach Abfall sortieren kannst.” (IKEA Katalog, Seite 226). Als Hilfestellung werden verschiedenste Container und Kisten präsentiert. Einige davon sind mit “Müll” versehen worden. Es handelt sich dabei offenbar um Abstraktionen von Abfall, wenn benutzt oder gebraucht wirkt keines des abgebildeten Objekte. Da sind Konservendosen, blitzeblank, ohne Etiketten, ohne Speisereste in einem der Container zu sehen. Auf einem anderen Bild sind ordentlich gestapelte Zeitungen in der einen Box, sauber sortierte Magazine in einer anderen Box dargestellt. Restmüll ist auf keinem der Bilder zu finden. Es sieht alles sehr ordentlich aus. Solchen Abfall kann man sich nur wünschen! Ob IKEA auch unser Müllverhalten beeinflussen kann? Dreizehn Container sind es auf einem der Bilder, da käme ja nicht mal der deutsche Trenn-Standard heran.

So schön kann es sein zu entsorgen. IKEA malt ein sauberes, trendiges Bild vom Abfall. Allzu fern von der Realität, würde ich behaupten.