Was steckt hinter dem Phänomen Müll? Wie gehen wir mit einem der größten Probleme dieser Zeit um? Welchen Spielraum gibt es für innovative, gestalterische Vorhaben?

Mit diesen Fragen startete ein interdisziplinäres Studienprojekt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Fachbereich Gestaltung. Am 12. und 13. Juli 2013 fand nun im Rahmen der alljährlichen Werkschau der studentischen Arbeiten eine Ausstellung und ein Symposium mit dem Titel “Create the Waste” statt. Die ausgestellten Installationen wurden von Studierenden aus den Studiengängen Bekleidungstechnik, Industrial Design, Kommunikationsdesign, Konservierung und Restaurierung/ Grabungstechnik, Modedesign und Museumskunde erarbeitet. Die gezeigten Projekte liefen unter folgenden Titeln: 1. Müll in die Köpfe – Bildungsstrategien, 2. RecycleBar – Ein Ort für nachhaltiges Handeln, 3. Verpackung – Müllbotschaften auf der Reise und 4. Mode – Cradle to Cradle, Upcycling & Co.

“Mode – Cradle to Cradle, Upcycling & Co.” Ausstellungsprojekt an der HTW Berlin

Das Symposium, moderiert von Prof. Birgit S. Bauer, diskutierte die folgende Themen: Müll als Designproblem – Müll, Material, Rohstoffe – Mode und textile Abfälle – Wertvorstellungen zur Problematik Müll. In der Eröffnungsrunde, in der auch ich mit diskutieren durfte, ging es um die Frage, wie Müll ein Werkzeug im Designprozess sein kann. Eine Thematik mit der ich mich ja im Besonderen beschäftige. Nach einem Impulsvortrag von Prof. Harald Gründl, dem Gründer des Institute of Design Research Vienna, über die “Bildlosigkeit des Mülls am Beispiel der Sales in der Bekleidungsbranche”, diskutierten wir zusammen Designstrategien mit dem Markenstrategen Stephan Bohle von futurestrategy.

Talkrunde “Müll als Designproblem” moderiert von Prof. Birgit S. Bauer

Alle Beteiligten waren sich schnell einig, dass das Bewusstsein für ökologische Belangen im Design noch in den Anfängen steckt. Daher können uns alle neuen Werkzeuge bereichern, die wir im Design vorher noch nicht nutzten. Als Grundlage für entwerferisches Handeln sehen alle anwesenden Experten die Fähigkeit zur Empathie, die dabei hilft Müll auch als Beziehungsgeflecht zwischen Produkten und Menschen wahrzunehmen. Diese Fähigkeit sollte auch mit angehenden Designern in der Ausbildung trainiert werden. Zunächst gilt als Etappenziel “Nicht wegschauen!”

Die Expertenrunde lebte vor allem von den interessanten Erfahrungsberichten der drei Gäste, die alle auf unterschiedlichen Feldern der Branche ihr Einsatzgebiet sehen. Auch das Publikum war durchaus wohlwollend und öffnete sich dem Thema Müll. Nur der Gesichtspunkt “Verzicht” stieß auf heftige Kritik. Die Frage, ob es in der menschlichen Natur liegt immer neue schöne Dinge haben zu wollen, konnte nicht abschließend geklärt werden.