Im Jahr 2009 wurden in Berlin 78039 Tonnen Leichtverpackungen gesammelt (Quelle: Abfallbilanz 2009, Berliner Senatsverwaltung Umwelt), das sind pro Kopf 22,6 kg. Sortenreiner Kunststoff wird rezykliert, d. h. stofflich verwertet. “In speziellen Sortieranlagen wird der Inhalt der Gelben Tonne in die verschiedenen Materialien getrennt. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass anschießend unterschiedliche Verwertungswege beschritten werden können und ein materialspezifisches Recycling ermöglicht wird.” (http://www.trenntstadt-berlin.de/index.php/verpackungen.html)

Abfallhierarchie

Die fünfstufige Abfallhierarchie aus dem Kreislaufwirtschaftgesetz von 2010.

Die Abfallwirtschaft in Deutschland ist ein sehr umsatzstarker Wirtschaftszweig: er weist 50 Millarden Euro jährlichen Umsatz vor und beschäftigt 250 000 Menschen. Im Zuge der neuen Umweltpolitik rücken Rohstoffknappheit und Umweltverträglichkeit in den Fokus der Unternehmen. Ganz davon abgesehen ist das Geschäft, das sich Recycling nennt auch noch sehr lukrativ. Das suggeriert ebenfalls die Bezeichnung Wertstoff. Somit wird die Problematik von Einwegverpackungen aus Plastik umgemünzt auf rentables Geschäft durch Verwertung. Dann ist nicht mehr die Menge und Zusammensetzung ein Fokus in der Müllpolitik, sondern die Art der Umsetzung dieser nutzlosen Dinge. Müll der dem Recycling zukommt ist also guter Müll. So soll der Konsument die Zusammenhänge verstehen. Das ist steht im Gegensatz zum Abfallwirtschaftsgesetz von 2010. In diesem Gesetz wird eine Abfallhierarchie statiert, die an oberster Stelle Vermeidung nennt. Gesetze die Verpackungsmaterialien und -mengen reglementieren sind aber nicht im Volksmund. Recycling als grüne Lebenseinstellung hingegen schon.

Recycling entlastet den Bürger im Supermarkt von lästigen Entscheidungen in Bezug auf sein Kaufverhalten. Der zahlt den im Preis des Produktes enthaltenen Anteil für das Duale System Deutschland, der dafür sorgt, dass Verpackungen gesetzmäßig eingesammelt und verwertet oder beseitigt werden. Deshalb ist die Gelbe Tonne nicht wirklich kostenlos, sondern vielmehr schon bezahlt.

Recycling in Berlin

Ergebnisse für "Recycling" rund um Berlin.

Das Duale System Deutschland beauftragt dann also Recyclingfirmen, die aus den gesammelten Wertstoffen Sekundärrohstoffe gewinnen. Dazu gehört auch die Erzeugung von Wärmeenergie aus der Müllverbrennung. Der Bürger beteiligt sich nicht nur finanziell daran, sondern auch arbeitsteilig. Das Mülltrennen ist in Deutschland Volkssport und ist eine Vorstufe der Verwertung von Abfällen.

Außerdem ist die Mülltrennung unheimlich cool geworden. Ein unglaublicher Imagewandel hat sich vollzogen im Bereich der Abfallwirtschaft. Entsorgungsunternehmen wie die BSR und vor allem ihre Tochtergesellschaft Berlin Recycling GmbH haben im letzten Jahr einen Marketingfeldzug begonnen. Sie sponsern beliebte Sportvereine, beauftragen große Werbekampagnen und sind aktiv in sozialen Netzwerken wie facebook.

Facebook-Seite von der Berliner Recycling GmbH

Facebook-Seite von der Berliner Recycling GmbH.

So gibt es viele durchdesignte Webseiten, die dem Bürger erklären, warum und weshalb verschiedene Materialien gesammelt werden. Allein die BSR drückt auf ihrer Internetpräsenz auch am Rande ein Interesse an Müllvermeidung aus:

 

“Und noch ein Tipp: Viele Produkte wie zum Beispiel Handys oder Kameras landen auf dem Müll, obwohl sie noch voll funktionsfähig sind. Grund dafür ist oft, dass eine neue Gerätegeneration auf den Markt gekommen ist. Überlegen Sie sich deshalb, ob Sie wirklich immer die neueste Produktgeneration (was sowieso innerhalb kürzester Zeit wieder veraltet ist) haben müssen, oder ob Sie nicht statt dessen mit dem Geld beispielsweise in den Urlaub fahren können.”

Im Allgemeinen herrscht aber der Tenor, dass nicht die Verpackungen das Problem sind, sondern nur das Image von Recycling.

BSR Kampagne

Die BSR Kampagne.

Fantonnen

"Fantonnen" der Berliner Recycling GmbH.

Die Einführung der “Orange Box” von der BSR war in den letzten Monaten ausreichend durch die Medien gegangen. Denn wie in jedem gut laufenden Geschäft gibt es auch in der Abfallwirtschaft eine große Konkurrenz. Der Entsorger Alba hatte schon vor fünf Jahren in einem Versuch begonnen, seine Gelben Tonnen, in denen Verpackungen mit dem Grünen Punkt gesammelt werden, für weitere Wertstoffe, die ebenfalls aus Plastik, aber eben keine Verpackungen sind, zu öffnen. Dieses Konzept nannte Alba Gelbe Tonne plus. Der Senat wollte dann nach Einführung der “Orange Box” durch das kommunale Unternehmen BSR diese Gelbe Tonne Plus verbieten. Nun halten die orangenen Tonnen, die Plastik, kleine Elektrogeräte und anderes Material sammeln Einzug in das Stadtbild Berlins. Das Ziel dieser Tonne ist klar, weitere Rohstoffe zu sammeln, die bisher an private Recycler oder generell verloren gingen. Rechtlich tun sich nun Abgründe auf. So sind die Objekte in den Mülltonnen Eigentum des jeweiligen Entsorgers.

Orange Box Mafia

Die Orange Box Mafia am Werk.

Tatsächlich beginnt in Berlin nun ein reger Tauschmarkt auf Hinterhöfen. Immer wieder werden diese Wertstofftonnen geplündert. Denn schon längst ist bekannt, dass man mit Altgeräten auch wertvolle Rohstoffe wiederverkaufen kann. Rechtlich ist das aber Diebstahl. Man sollte also gut abwägen, was man in die Tonne wirft, denn rausnehmen darf man es nicht wieder.