ALBA_NID_2Recycling ist eine pragmatisch-technische Antwort auf das Müllproblem. Obwohl die Abfallbehandlung ein von Maschinen ausgeführter Prozess ist, schafft es der Müll durch seine heterogene Beschaffenheit die Menschen weiterhin an ihn zu binden. Zumindest zeitweise müssen sich Menschen entweder um die Einsammlung oder Sortierung des Mülls kümmern, trotz modernster Anlagentechnologie. In diesem Moment erhält der Müll die Chance seinen Status von nutzlos zu interessant zu ändern. Außerdem schlummert bei den, mit der Sortierung betreuten, Menschen wohlmöglich der Goldrausch. Kaum etwas hat größere Anziehungskraft als die Vorstellung, man fände einen Schatz im Müll.

ALBA_NID_3Kinderspielzeug als Miniaturabbildung unserer Lebenswelt (Feuerwehrauto) kann schwerlich nur als Zusammenstellung einer bestimmten Sorte Kunststoff betrachtet werden. “Das ist doch noch gut.” Die Zusammenhänge in denen ein Artefakt entsorgt wurde, stellen sich dem Nachsortierer nicht dar. Sodass ihm Tag für Tag ein absurder Mix aus Dreck, Verpackungen und eben auch intakter Gegenstände auf einem Fließband präsentiert. Warum sie weggeworfen, unhaltbar für den ehemaligen Besitzer wurden, bleibt dem Sortieret verborgen. Neben emotional-sentimentalen Beweggründen den Abfall nicht als Masse sondern als Artefakt mit individuellen Eigenschaften zu erkennen, spielen wie bereits erwähnt auch monetäre Hoffnungen eine Rolle. “Ist die Verpackung des iPad mini tatsächlich leer?” Aber auch im Kleinen spielen finanzielle Erwägungen immer eine Rolle bei den Menschen. “Die Gardena Gartenschlauchspritze kostet im Baumarkt sicher 8,- € und hier fährt sie kostenlos vorbei…”

ALBA_NID_1Auch die zum Recycling notwendigen Prozesse werden durch die gestaltende Kraft des Mülls selbst bereichert. Ein alter LKW-Reifen bietet nicht nur flexiblen Schutz vor der Betonkante für rangierende Gabelstapler, sondern auch Platz für Bepflanzung. Ohne Zweifel die einzige Pflanze in einer Sortier-Anlage. Wieder handelt es sich um eine Möglichkeit der Abbildung der Lebensumwelt, derer man sich im Maschinenpark immer wieder versichern muss, da die technologischen Abläufe, Bänder und Turbinen kaum eine Relation zur Außenwelt zulassen. Dies ist also nicht nur eine Verbesserung der Arbeitsprozesse durch Non-Intentional Design, nein es kann gleichermaßen als lebendige Verschönerungsmaßnahme in der Welt der Maschinen betrachtet werden.

Ein spezieller Fall von Non-Intentional Design findet sich in der Verbesserung bzw. Manipulation von Müllcontainern innerhalb einer Abfallbehandelnden Instanz. Obwohl die Sortierung von Leichtverpackungen essentieller Teil des insgesamt lukrativen Recyclingprozesses ist, scheint die Ausstattung mit adäquaten Müll-Artefakten mangelhaft zu sein. So werden reguläre Abfall-Container gewissermaßen “geköpft” um sie in der Sortierung nützlich zu machen.

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