Es gibt einen Wohnkomplex parallel zur Schlangenbader Straße in Berlin Wilmersdorf, der ist aus zwei Gründen erstaunlich. “Schlangenbader Straße – Die Wohlfühloase über der Autobahn” so beschreibt die degewo den ersten Grund der Erstaunlichkeit. “Die Schlange” wurde zeitgleich mit dem Autobahnzubringer der A100 erbaut. Der Zubringer läuft durch das Gebäude oder das Gebäude umschließt die Autobahn, wie man das sehen möchte. Die Straße verläuft nicht etwa im Keller, nein, die Trasse befindet sich auf der 2. und 3. Etage. Das sind Etagen, in denen der Fahrstuhl nicht hält. Auf 600 Metern sind Gebäude und Autotrasse eins.

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© Google Maps, 2014

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schlange_3Der Wohnkomplex ist eine wahre Wohnmaschine. Er enthält rund 1000 Wohneinheiten, zählt damit zu den größten zusammenhängenden Wohnkomplexen Europas. In den Fluren, Durchgängen und Treppenhäusern kann man sich schnell verlaufen.
Der zweite Grund für das Interesse am Wohnkomplex in der Schlangenbader Straße ist sein Müllsystem. Die Schlange verfügt derzeit noch über einen außergewöhnliches Müll-Saug-System. Bewohner können auf dem Flur ihrer Etage die “Müllklappe” benutzen. Klappe auf, Müll (unsortiert) hinein, fertig.

schlange_4Dieses hier installierte System ist nicht zu verwechseln mit Müll-Schluck-Systemen in anderen Wohnkomplexen. Denn hier wird der Müll durch ein riesiges Rohrsystem zweimal täglich mit Unterdruck angesaugt. Das heißt der Müll fällt nicht einfach ein Rohr hinab in eine Tonne, er fällt hinab und bewegt sich dann horizontal. Vom entlegensten Punkt der Anlage bis zur Müllschleuse etwa 600 Meter.

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schlange_6Mit diesem Computer wird der Ansaugvorgang gesteuert. Beinahe wöchentlich verkeilt sich etwas im Rohrsystem. Dann muss der zuständige Mitarbeiter in ein Rohr klettern und alles herausholen. Die Müllklappen sind nicht gerade überdimensioniert, sodass Bewohner immer wieder probieren auch unhandlichen Müll in die Klappe zu pressen. Laminatdielen und Autobatterien wurden schon von Hand aus dem Rohrsystem entfernt.

schlange_7In einem riesigen Tank wird der unsortierte Müll bisher gesammelt. An ein Nachtportieren ist hier nicht mehr zu denken.
Das alles soll sich nun bald ändern. Das Saug-System für den Müll ist sehr kostspielig und hat die Betriebskosten in der Schlange extrem in die Höhe getrieben. Ganz nebenbei hat man eingesehen, dass jedes Recycling- und Trennangebot nicht mit der Müllklappe konkurrieren kann, die man im Bademantel und in Hausschlappen benutzen kann, während Müllcontainer zentral im Eingangsbereich zu finden sind. So wird der bequeme Weg abgeschnitten und das System abgeschaltet.

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Ob sich die Alternative im Erdgeschoss durchsetzen kann wird sich zeigen. Wahrscheinlich ist aber, dass zunächst Restmülltonnen Konjunktur haben werden.