Wenn man sich fragt, wie es kommt, dass Wegwerfen als alltägliche Tätigkeit nicht hinterfragt wird, dann geht es dabei auch um Erziehung und darum, welche Tätigkeiten wir unseren Kindern als Ritual oder Kultur antrainieren. Kinder saugen Informationen aller Art auf. Sie sind wie ein leeres Blatt, das sich nach und nach füllt. Nicht umsonst wird auf die Gestaltung von Spielzeugen ein besonderer Wert legt. Gleichsam sind Regularien, bezogen auf Spielsachen, in Deutschland sehr streng.

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Die neueste Spitze des Berges aus Sinnlosigkeiten dieser Welt, markiert das “Aktions-Spielzeug-Sammel-Set” der Lebensmittelkette “real,-“. Zunächst die Fakten: bei jedem Einkauf bei “real,-” bekommt man pro 15 € Einkaufswert eines der “real,- Minis” kostenfrei dazu. “real,- Minis”, das sind 59 Nachbildungen von Markenverpackungen in Miniatur. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll mit meiner Kritik an diesem Konzept.

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Zunächst ist es absolut beschämend, dass nutzloser Verpackungsmüll nun zum Spielzeug stilisiert wird. Hat so manches Kind bisher noch mit einer “echten” Nivea-Cremedose gespielt, dabei gelernt, was innen und außen bedeutet, wie sich Creme anfühlt und schmeckt, und wozu sie da ist. So lernt das Kind nun wie eine Nivea-Cremedose in Miniatur aussieht. Verpackung, ob gut durchdacht oder absolut überflüssig, ist damit zum Selbstzweck geworden. Als Information, die wir an die nachfolgende Generation weitergeben, bleibt ein höchst fragwürdiges Gemenge als Mimikry und Markenfetisch.

Nicht genug, dass die Miniatur-Verpackungen aus den tatsächlich verwendeten Materialien (Kunststoff und Aluminiumfolie…) der großen Vorbilder gemacht sind, sie sind zudem auch noch LEER. Vor mir liegt der “real,- Mini” eines “Gillette Fusion Proglide Power” (das ist Kind gerecht?) auf dem sich vom Strichcode bis zur Folienverschweißung des Deckels als wieder findet, das auch das Original bietet. Nur ein Miniatur-Rasierer befindet sich nicht im Inneren. Schade, dann wäre der Skandal wenigstens perfekt. So ist es nur eine leere Verpackung in einem albernen Maßstab, die als kulturelles Artefakt davon zeugt, wie sehr der Müll unsere Lebensweise bestimmt. Nun ist soweit, dass wir diese Lebensweise auch unseren Kindern aufzwängen, während die doch nur spielen wollen.

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