Wenn man durch die Straßen dieser Stadt streift, entdeckt man immer wieder Details, die offenkundig aus dem übergeordneten, geplanten Muster herausbrechen. Innerhalb meiner Forschung stelle ich fest, dass solche Ausbrüche sehr häufig in Verbindung stehen mit dem Umgang mit Abfall. Mülltonnen und Papierkörbe erfüllen oftmals nicht den gewünschten Nutzen, den Anwender an Müllaufbewahrungsobjekte stellen. Diese Beobachtung geht auf die vielen Formen der Müllplatzierung und den individuellen Erweiterungen von Abfallbehältern zurück, die ich in den letzten zwei Jahren gesammelt habe.

Das “Non Intentional Design” eines Bürgers zum (tier-)sicheren Verschluss seiner Mülltonnen. November 2013.

Bei einigen der Beispielen lassen sich Bezüge zum “Non Intentional Design” (NID) herstellen. Die Entnormung von Gegenständen unter bestimmten Bedingungen trägt seit Ende der neunziger Jahre in der Design-Forschung die von Uta Brandes und Michael Erlhoff geprägte Bezeichnung. Die Umnutzungen erfolgen aus dem Interesse der Problemlösung und können unterschiedlichen Motiven und Situationen entspringen, wobei das Bewusstsein und die Spontanität der Handlung variieren. Das Motiv des Nutzers, einen Gegenstand in einem dafür nicht vorgesehenen Nutzen zu verwenden, liegt entweder in der Beseitigung eines momentanen oder systematischen Defizits. Oftmals werden diese Designaktivitäten des Nutzers als “Notlösung” oder “Provisorium” bezeichnet.

Auch in diesem Fall geht es um die Verbesserung des Gebrauchs von bereits Gestaltetem. Die Mülltonne wird zwar durchaus weiterhin zur Abfallaufbewahrung verwendet, jedoch scheint eine essentielle Funktion, angepasst an die Umgebung, schlichtweg vergessen. Um Tiere der Umgebung (ja auch in der Stadt) daran zu hindern, Mülltonnen selbstständig zu öffnen, indem sie sie umstossen und deren Inhalt über Bürgersteige und Straßen zu verteilen, wurde ein Upgrade des Tonnendeckels angewendet. Mit elastischen Schnüren wird sicher gestellt, dass der Deckel immer wieder zuschnappt, sollte er geöffnet worden sein.
Designer, do your job!