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Explorationen über Mensch und Müll

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BETAHAUS | SALON #5 MÜLL

April 23rd, 2012 · ALLGEMEIN

designkritik.dk hat ein Gesprächssalon zum Thema Müll im Betahaus organisiert. Die zentralen Fragen des Abends sind: Wann ist etwas Produkt, wann Abfall? Wer sind die Akteure im System Müll und wie können wir zukünftig entsorgen? Das wird sehr spannend! Auch ich als Designerin mit Müll-Diplom werde mit Birgit S. Bauer; Trial and Error, Berliner Upcycling-Crowd und Sabine Thümler, Leiterin der Kommunikation der Berliner Stadtreinigung BSR von der Berliner Initiative Trennt-Stadt über das Thema sprechen.

SALON #5 MÜLL
24. Mai 2012
19 – 22 h
Betahaus: Prinzessinnenstraße 19-20, 10969 Berlin

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MÜLLFASTEN: auf LilliGreen® und dvi

April 13th, 2012 · MÜLLFASTEN

Mittlerweile zieht das Müllfasten seine Kreise. Dank einem sehr interessanten Müllspaziergang von Birgit S. Bauer diesen Winter in Berlin, kommt das Fasten nun hoffentlich bald groß raus. Der diskursive Spaziergang vom BSR Recyclinghof im Prenzlauer Berg über ein Mietshinterhaus bis hin zur Stadtmission war gespickt mit allerlei interessanten Fakten und vielen vielen tollen Stories der Teilnehmer aus nah und fern.
So kam es, dass auch ich meine Erfahrungen über das Müllfasten teilen konnte und viel positives Feedback bekam. Birgit, die den Spaziergang ins Leben gerufen hat, ist selbst Designern und betreibt mit viel Sorgfalt den Blog www.designkritik.dk. Außerdem schriebt sie für diverse andere Zeitschriften und Onlinedienste. Auf LilliGreen® und auf der Seite des Deutschen Verpackungsinstitut e.V. finden sich nun Artikel über diesen Blog, meine Diplomarbeit und vor allem die Erfahrungen des Müllfastens. Viel Spaß beim Lesen:

Müllfasten auf LilliGreen®

Artikel über Müllfasten auf dvi

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MÜLL RÜCKT IN DEN DESIGNFOKUS.

Oktober 28th, 2011 · ENTSORGEN

Gerade so, als wäre die Müllenergiewelle im Anrollen lief gerade ein weiterer Wettbewerb zum Thema Abfall. Der Titel beschreibt sehr anschaulich worum es bei diesem Designwettbewerb der Berliner Senatsinitiative Trenntstadt Berlin mit den Partnern ALBA, Berlin Recycling und der Stiftung Naturschutz geht: “Ideen für die Tonne”. Gemeinsam mit dem Designer-Netzwerk CREATE BERLIN und der Berlinischen Galerie wurde der Wettbewerb „Trenntmöbel gesucht!“ ins Leben gerufen.

Der Gewinnerbeitrag des Berliner Designbüros böttcher + henssler.

Ziel der Initiative, die eine Schwester der Trenntwende-Aktion ist, ist es, das Thema Abfallvermeidung und Abfallrecycling in Berlin neu zu thematisieren. Berliner Designer und Designstudenten wurden dazu aufgerufen, einen Abfallbehälter für den privaten Haushalt zu entwickeln, der die Mülltrennung optimal unterstützt.
Das von einer Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft ausgewählte Gewinner-Team böttcher + henssler mit dem Entwurf “new order” erhält neben einem Preisgeld von 5.000 Euro weitere Unterstützung bei der Vermarktung des “Trenntmöbels”.

Das Gewinnerteam böttcher + henssler aus Berlin bietet mit seinem Entwurf “new order” Mülltaschen zum an die Wand hängen. Die Webseite Trenntstadt Berlin erläutert den Entwurf so:

In der Beschreibung heißt es, dass die Müllbehälter Wohnaccessoires seien, die eine „angenehme und wohnliche Ästhetik“ haben. Praktisch sind sie auch: Außen bestehen die Mülltaschen aus strapazierfähigem Textil aus dem Outdoor-Bereich, innen steckt ein stabiler Einsatz, der Flüssigkeiten auffängt, die durch den Müllbeutel tropfen. Weil das Gewebe extrem robust ist, lässt es sich einfach mit Wasser und Seife auswaschen.

"new order"

Die “new order” Taschen sind sehr gut gestaltet und bringen die Fragen der Müllaufbewahrung tatsächlich in ein neues Licht. Der offene Umgang und die Ausstellung der Müllbehälter ist der erste Schritt weg vom Müllverstecken und dem tabu des Themas. Außerdem ist den Gestaltern zu Gute zuhalten, dass diese Aufbewahrungstaschen mit einem Mehrfachnutzen ausgestattet haben. So kann man nach dem Müll wegbringen, mit diesen Taschen gleich weiter zum Supermarkt spazieren. Das ist sinnfällig, jedoch weiß ich aus der Erfahrung meiner Recherchen zu Müll, dass kaum ein Mensch seine neuen Lebensmittel in einen benutzten Müllbeutel aufbewahren will. Leider muss man sagen, funktionieren die Mülltaschen auch eher als Zusatzhülle, da man sie wie fast alle Mülleimer in Deutschland mit einer Mülltüte bestücken soll.

Die Mülltüte bleibt Bestandteil unseres Lebens.

Generell bleibt die Frage offen, wie mit der Menge an Müll umgegangen wird. Sind Behältergrößen an bestehende Mülleimer angelehnt, oder zeigt man durch kleinere Taschen, dass Müll grundsätzlich zu reduzieren ist? Diese interessanten und wichtigen Stellen des Themas wurden ein wenig ausgespart in diesem Designwettbewerb. Doch die Ergebnisse sind alle mal sehenswert.

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TRENNTWENDE FÜR EIN SCHÖNERES BERLIN.

September 14th, 2011 · ENTSORGEN

Logo TrenntwendeMit großer Freude habe ich gestern eine E-Mail von einem der Redakteure der gemeinnützigen GmbH co2online erhalten. Zusammen mit der Stiftung Naturschutz Berlin und der Initiative Trenntstadt Berlin wurde der Ideen-Wettbewerb “Trenntwende” ausgelobt. Dieser ist letzte Woche gestartet. In drei Kategorien suchen die Veranstalter bis zum
8. November 2011 die besten Ideen und Projekte in den Bereichen Abfall-
vermeidung und Abfalltrennung. Ausgezeichnet werden die besten Beiträge in drei Kategorien mit Preisen im Gesamtwert von mehr als 10.000 Euro. Ob in Schulen oder Universitäten, kleinen oder großen Unternehmen oder in Haushalten und Hausgemeinschaften – die Berliner sind aufgerufen ihre Kreativität unter Beweis zu stellen.

„Jede Idee ist gefragt, auch wenn sie noch so klein oder ungewöhnlich ist. Mit dem Wettbewerb prämieren wir Ideen – und mit den Mitteln des Förderfonds werden aus den Ideen echte Projekte, die Berlin mittel- und langfristig zu einer schöneren und nachhaltigeren Stadt machen“, sagt Falko Müller, Projektleiter der Trenntwende. Alle Informationen zum Wettbewerb und das Teilnahmeformular finden sich auf www.trenntwende.de.

Die gesamte Kampagne „Trenntwende“ steht unter dem Motto „Unsere Stadt. Unser Müll. Die Idee!“ und wurde initiiert von Trenntstadt Berlin über deren professionelle Gestaltung ich bereits berichtet habe. Ich bin trotzdem sehr beigeistert von dieser neuen Initiative, die sich nun auch endlich dem Müllvermeiden verschrieben hat und auch gewillt ist Ideen zu honorieren, die möglicher Weise eine gewisse Konsumkritik beinhalten. Auf der Webseite findet man kleine Tipps zur Reduzierung des Hausmülls und eine Vorstellung sogenannter Trennthelden, die bereits Projekte umsetzen oder mit gutem Beispiel vorangehen.

 Auch zum Ideen-Wettbewerb gibt es weitere Informationen. Ein Blick auf die Seite lohnt sich in jedem Fall. Das Konzept der Kampagne ist durchaus ansprechend und wird durch ein kleines Müllquiz belebt. Die Fragen sind sehr unterschiedlich, spiegeln noch nicht konkret die besonders kritischen Punkte der Mülltrennung (Recycling – Downcycling usw.) aber beschäftigen sich auch mit der Thematik Mehrweg und Glasrecycling, was ich sehr stark befürworte. Testet es selbst. Ich habe natürlich alle Fragen richtig beantwortet ;)

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NO PACKAGE

August 22nd, 2011 · ENTSORGEN

Blick in den Unpackaged Store.

Ein wunderbarer Lösungsansatz für die große Menge Verpackungsmüll von Konsumgütern ist derzeit in Großbritannien auf dem Weg. Ein kleiner Supermarkt namens Unpackaged verkauft alle Produkte aus großen Glas- oder Pappcontainern. Der Kunde bringt also zum Einkauf seinen eigenen Container mit in den Shop und lässt ihn auffüllen. Das Prinzip ist denkbar einfach, aber sehr sinnvoll. Schade nur, dass auch diese Bewegung in einer elitären Öko-Nische Halt gemacht hat. Im Unpackaged Shop einzukaufen gilt als sehr trendy und chic, das ist einerseits toll, andererseits ist es ein Verhalten, das früher für alle Schichten der Gesellschaft als durchaus normal galt. Wieder einmal zeigt sich, dass eine Verlangsamung für uns und unsere Umwelt viele Vorteile bringen könnte. beunpackaged.com/

Doch ich bin mir bewusst, dass der süße Tante-Emma-Laden, der noch Papiertüten anbietet, nicht den Ausweg aus unserer Lage bringen wird. Zukunftsweisend finden ich daher die Neuerung eines britischen Lebensmittelkonzerns auf dem koreanischen Markt.

Der U-Bahn-Shop von Tesco in Seoul.

Die Firma Tesco stellt in einem mehrfach ausgezeichneten Werbefilm (dafür gibt es tatsächlich auch Festivals) seinen neuen virtuellen Supermarkt vor. Letztlich sind es lebensgroße Fotos von Supermarktregalen, die auf den Wänden des Bahnhofs kleben. Jede der gezeigten Waren ist mit einem sogenannten QR-Code versehen, einem Quadrat aus schwarzen und weißen Feldern, wie es beispielsweise die Deutsche Bahn für ihre Online-Tickets nutzt. Wer ein Produkt kaufen will, fotografiert den Code mit seinem Smartphone. Die Ware wird dann in einer Liste gespeichert und kann anschließend via Smartphone bezahlt werden. Kommen die gestressten Südkoreaner nach einem langen Tag abends nach Hause, sind die Waren, die sie beim Warten auf die U-Bahn bestellt haben, schon da. Sie werden an die Tür geliefert. Obwohl es in diesem Projekt darum geht den Online-Shop der Firma zu bewerben, und die Nutzerschaft auszuweiten, ist es ein guter Anfang um über Supermärkte nachzudenken. Aufwendige Umverpackungen oder glitzernde Knisterfolie könnte dadurch auf ein Minimum reduziert werden, da man das Produkt nun digital kommunizieren kann, und nicht jedes Stück aufwendig bedruckt oder eingepackt werden müsste. Scheinbar ist dies eine Herangehensweise die zunächst nur den Technik-verliebten Asiaten zugetraut wird. Ob es sich bei der deutschen *Serviervorschlag – Mentalität durchsetzen könnte, bleibt ungewiss.

 

 

 

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NIEMAND HAT DIE ABSICHT EINE MAUER…

August 13th, 2011 · ARMY OF TRASH

Aus aktuellem Anlass strahlte die ARD in den tagesthemen am 09. August 2011 einen Beitrag aus, der vom Umgang mit den Überresten der Berliner Mauer handelt. Die interessanteste Nutzung der Mauerreste auf einem Recyclinghof im Norden Berlins ist in verschiedener Hinsicht relevant für mein Thema. Einerseits ist die Nutzung der Betonteile als Stellwände auf dem Recyclinghof ironischer Weise besser als Recycling, denn es handelt sich dabei um Wiederverwendung, ohne dass das Ausgangsobjekt verändern musste. Andererseits sind Mauerreste mittlerweile ein begehrtes Gut geworden, zumindest für Touristen. So oder so ist es ein historisches Zeugnis der geteilten Stadt Berlin. Also eher negativ konnotiert. Somit sind die Betonträger nach dem 09. November 1989 von Schutzwall zu Müll transformiert. Doppelt schlecht. Deshalb ist die Umnutzung der Mauer als Müllmauer durchaus sinnvoll und vor allem pragmatisch, wie auch der Gabelstapelfahrer im Beitrag argumentiert.

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EINE ART MÜLL ODER MÜLL–ART.

August 12th, 2011 · ARMY OF TRASH

Wie schon häufig festgestellt ist Müll ein multidimensionales und Kontext umfassendes Phänomen. Daher ist es nur logisch, dass sich auch die Kunst mit dieser Thematik auseinandersetzt oder sie zum Anlass für Werke und Interventionen nimmt. Gerade in den letzten Jahren und speziell in den letzten Monaten konnte man sehr eindrucksvolle Umsetzungen in diesem Bereich beobachten.

Installation von Alexander Brodsky

Das aktuellste Beispiel dafür ist eine Installation im Architekturzentrum Wien, die eigens für diese Ausstellung “It still amazes me that I became an architect…“ von dem russischen Architekten und Künstler Alexander Brodsky angefertigt wurde. Die Installation ist der ringsum hermetisch geschlossene Kasten in einer der Hallen des Architekturzentrums. Dort befindet sich ein schmaler Steg, der um ein scheinbares unendliches Loch führt. Doch über diesem Abgrund scheinen verschiedene alte Gebrauchsgegenstände auf einem Metallgitter zu schweben. Die optische Täuschung ist perfekt. Denn nur wenn man sich nahe an den Abgrund wagt und senkrecht hinunterschaut, entdeckt man sein eigenes Spiegelbild in einer schwarzen öligen Flüssigkeit. Dieser rechteckige Ölsee spiegelt gegen den hellen Himmel den vorgelagerten Konsumschrott exakt nach.

Weniger illusorisch aber ähnlich grafisch ging der chinesische Künstler Song Dong in einer Ausstellung des Museum of Modern Art in New York im Jahr 2009 vor. In der Installation “Waste not” sieht man das Haus der Eltern des Künstlers, das der Stadtentwicklung in China zum Opfer gefallen ist, und das mit seinem kompletten Inventar rekonstruiert wurde. Das Ergebnis ist beeindruckend und bedrückend zu gleich: Wie inventarisiert reihen sich in der Installation scheinbar unzählige Kinderspielsachen, Kleidungsstücke, Knöpfe, Kugelschreiber, Schränke, Stoffreste, Taschen, Töpfe, Tröge, Zahnpastatuben etc. aneinander; ein vielschichtiges Archiv obsoleter chinesischer Produkte und vergangener Lebensumstände. Und es stellt sich unvermittelt die Frage, ob es sich um Trash oder Treasure handelt.

"Waste not" vom chinesischen Künstler Song Dong

Klar ist, dass die persönliche Bindung der Mutter an die Dinge ihres täglichen Lebens diese Anhäufung zu einem Schatz macht, dafür spricht auch die minutiöse Aufreihung und Ordnung der Gegenstände. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich aber weniger um wertvolle Dinge als eher um “Disposables”, also für westliche Standards billige Wegwerfprodukte. Die Installation macht eindrucksvoll deutlich, dass Müll immer stark emotional aufgeladen ist, sobald man Wissen über seinen Kontext erlangt, also wo und wer ihn verursacht hat oder gezwungen war ihn zu entsorgen.

Die Müllnachbildung des Klassikers "Der Tod des Marat".

Bei den Arbeiten von Vik Muniz handelt es sich bei seinem Ausdrucksmaterial ganz offenkundig um Müll. Er hat mit der Filmemacherin Lucy Walker den Dokumentarfilm “Waste Land”gemacht, der die Enstehung seiner “Pictures of Garbage” dokumentiert. Dazu hat sich der brasilianische Künstler in seine Heimat Rio de Janeiro begeben um dort auf der weltgrößten Mülldeponie Jardim Gramacho die Catadores  abzubilden. Sie, die selbständigen Recyclingspezialisten, die auf der Müllkippe bei Rio de Janeiro praktische Mülltrennung betreiben um Geld zu verdienen. Mit ihnen legt er Klassiker europäischer Malerei aus Abfall nach. In einer Lagerhalle werden die riesigen Müllcollagen aus der Höhe fotografiert, bevor die Fotos zur Auktion wandern. Der Künstler geht eine enge Verbindung mit den Portraitierten ein und lässt sie selbst ihre Abbilder aus ihrem täglich Brot herstellen. Diese Spannungsverhältnis wird im Dokumentarfilm eindrucksvoll geschildert. Die Werke sprechen auch ohne den film eine eindeutige Sprache. Denn auch wird mit der Perspektive auf den Müll gespielt. Aus großer Höhe und mit einem Ordnungsschema scheint der Müll seine Hässlichkeit abwerfen zu können. Die Kunstwerke von Muniz wurden für mehrere Zehntausend Dollar versteigert.

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DO NOT LITTER!

August 3rd, 2011 · BESORGEN

Littering bedeutet soviel wie Vermüllung. Wikipedia hat einen eigenen Eintrag für den Begriff Vermüllung: “Vermüllung bezeichnet das achtlose Wegwerfen und Liegenlassen von Abfall vorzugsweise auf öffentlichem Grund, d. h. insbesondere Straßen, Plätze und Parks. Es handelt sich dabei um ein strafrechtlich verfolgbares Delikt und kann in Deutschland mit Geldbuße, in der Schweiz sogar mit Haft geahndet werden.”

Allgemein ist dieses Problem angesichts der riesigen Müllberge der Privathaushalte ein wenig aus dem Fokus geraten. Teilweise hat aber auch ein durchschlagender Moralisierungsprozess in unserer Gesellschaft Einzug gehalten. Das achtlose Wegwerfen von Abfall in die Umgebung gilt unter uns Westeuropäer als verwerflich. Das ist schon ein toller Erfolg. Dennoch, seit dem Verbot von Rauchen in öffentlichen Gebäuden ist die Zahl von Littering-Fällen noch mal in die Höhe geschossen. Eine Studie von 2003 zeigt, dass mit 58,3 % die am meisten weggeworfenen Gegenstände Zigarettenstummel sind. Das gilt natürlich vor allem für Städte. Aber auch das Deponieren von Müll in der Landschaft gilt als Littering.

Vor allem in der Grillsaison hinterlässt der Berliner viel Müll.

Vor allem in der Sommerzeit offenbart sich dieses Problem als urbanes Phänomen. Viele Städter bevölkern an warmen Tagen die Parks und Plätze. Dabei verkonsumieren sie allerhand Artikel, die extra für diese Anlässe designt wurden (Bsp. Einweggrill, Plastik-besteck und -geschirr). Das was bleibt sind Verpackungen und Einwegobjekte mit denen man nach dem gemütlichen Beisammen nichts mehr zu tun haben will.

Die sogenannte After-Party-Work.

Besonders extrem erscheint die Littering-Problematik bei öffentlichen Groß-veranstaltungen. Am Ende einer jeden solchen Veranstaltungen muss die Army of Trash anrücken und ordentlich durch die Straßen und über die Plätze fegen. Sie füllen ihre Müllautos, die sonst den Müll eines ganzen Kiezes aufnehmen. Wenn sie anrücken, ist die Veranstaltung offiziell als beendet erklärt.

Auch an normalen Tagen kann man Littering beobachten. Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, kann man am Landwehrkanal alle Abfallarten an sich vorbeiziehen sehen. Von Bio-Müll bis Glas schippert alles an einem vorbei. Dass es sich dabei auch um eine urbane Form der Kontaktanzeige handeln kann, ist sehr selten.

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♻ INTERNATIONALES SYMBOL FÜR RECYCLING

Juli 27th, 2011 · BESORGEN

♻ Dies ist das internationale Symbol für Materialien, die dem Recycling zugeführt werden können. Es besteht aus drei Pfeilen, die ein Möbiusband bilden. Das ist eine zweidimensionale Struktur, die nur eine Kante und eine Fläche hat. Es wurde im Jahr 1858 unabhängig voneinander von dem Göttinger Mathematiker und Physiker Johann Benedict Listing und dem Leipziger Mathematiker und Astronomen August Ferdinand Möbius beschrieben. Diese Struktur hat keine Orientierung. Würde man ein Möbiusband einfärben und damit an einer Oberseite beginnen, hätte man ohne abzusetzen das ganze Band mit einem Anstrich eingefärbt. Im Jahr 1970 fand der erste World Earth Day statt, der das Ergebnis steigernder Aufmerksamkeit für das Thema Umwelt war.

Das ursprüngliche Recycling-Logo

Gary Anderson und der ursprüngliche Entwurf für ein Recycling-Logo.

Als Antwort auf dieses neue Bewusstsein rief die in Chicago ansässige Firma “Container Corporation of America”, ein großer Recycling-Papier-Hersteller, einen Wettbewerb für Kunst- und Designstudenten aus, der von Gary Anderson, einem 23 jährigen Studenten gewonnen wurde. Der Student der University of Southern California gewann mit seinem Beitrag ♻. Anderson gewann durch den Wettbewerb US $ 2500 und nutzte dieses Geld um ein Auslandssemester in Schweden zu absolvieren.

Das Symbol für Recycling ist also gut 40 Jahre alt. Was Recycling genau bedeutet bleibt aber diffus. In Deutschland ist der Begriff nicht gesetzlich geregelt. Er wird verwendet für Wiederverwertung und Wiederverwendung, obwohl dies unterschiedliche Strategien sind. Innerhalb der Wiederverwertung unterscheidet der Gesetzgeber zwischen stofflicher und energetischer Verwertung. Im allgemeinen Verständnis von Recycling kommt die Definition von stofflicher Verwertung am nächsten: “… jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfallmaterialien zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden. Es schließt die Aufbereitung organischer Materialien ein, aber nicht die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind;“. Jeder Bürger Deutschlands ist aufgefordert seinen Müll bereits beim Wegwerfen zu sortieren.

Werkstoff-Recycling ist: mechanische Aufbereitung von gebrauchten Kunststoffen zu direkt wieder verarbeitungsfähigen Mahlgütern oder Rezyklaten. Die chemische Struktur bleibt dabei unverändert. Das Werkstoff-Recycling ist sinnvoll, wenn Altteile sauber und sortenrein erfasst werden können.

Rohstoff-Recycling ist: Spaltung von Polymerketten durch die Einwirkung von Wärme zu petrochemischen Grundstoffen, wie Öle und Gase, die zur Herstellung neuer Kunststoffe oder andere Zwecke eingesetzt werden können. Das Rohstoff-Recycling ist für vermischte und verschmutzte Kunststoff-Fraktionen geeignet.

Recycling hat einen sehr großen “feel-good” Aspekt in der breiten Bevölkerung. Der Müll, der in eine Gelbe Tonne wandert, oder von dem wir wissen, dass er recycled wird, gibt uns ein grünes Gefühl, das Gefühl, wir hätten der Umwelt eine Freude gemacht. Die Industrie hingegen akzeptiert Recycling eher als Alternative zu radikalen Veränderungen wie Verbote bestimmter Materialien oder Produktionsprozesse, Minimalstandards für Produktdauer oder höhere Standards für Ressourcenextraktion. Dies wäre ohne Zweifel eine viel größere Einschränkung für das Wachstum von Industrie und Handel, aber auch eine größere Hilfe für den Umweltschutz. Ohne Frage ist Recycling eine gute Sache. Es ist der Deponierung von Müll in jedem Fall vorzuziehen. Auch die energetische Verwertung ist vom Umweltaspekt her betrachtet sehr nachteilig für das Ökosystem und setzt mehr CO2 Emissionen frei als die Verbrennung von Kohle oder Erdgas. Tatsächliches Recycling, also die stoffliche Verwertung, die Materialien befähigt in Benutzung zu bleiben, reduziert die Nachfrage nach neuen Rohstoffen. Im idealsten Fall würde aus einer Plastikflasche immer wieder eine Plastikflasche werden. Dem ist aber nicht so. Aufgrund der hohen Qualitätsverluste und Hygienestandards durchlaufen die meisten Produkte ein Downcycling. Der Status Müll wird also nur verzögert, indem das Primärprodukt von einer Plastikflasche über Toilettenpapier (Sekundärprodukt) zu Restmüll wird. Downcycling heizt dementsprechend die Nachfrage nach Primärprodukten weiter an und hat kaum einen Einfluss auf den Rohstoffverbrauch für das Primärprodukt.

Der Deutsche bezeichnet sich selbst als Weltmeister im Sammeln und Sortieren von Müll. Soviel Recycling wie in Deutschland ist kaum sonst zu finden. Moment mal, es sind ja immer noch Abfälle, die da recycled werden. Es ist nicht sonderlich rühmlich hohe Recyclingwerte zu haben. Denn letztendlich bedeutet das ein hohes Müllaufkommen. Das ist also eine irreführende Botschaft, die dort in den Köpfen der Bundesbürger herumgeistert. Viele Menschen kaufen Plastikverpackungen, denn sie tragen ja den Grünen Punkt, und der bedeutet “gut für die Umwelt”. Jedoch ist Platz 1 in der Abfallhierarchie immer noch VERMEIDUNG. Recycling ist die letzte Option für unseren Abfall. Es sollte nicht als Rechtfertigung für die Erzeugung von mehr Müll dienen.

Auf der Webseite www.trenntstadt-berlin.de finden sich anschauliche Grafiken über Recycling der verschiedenen Sorten im Werststoffmüll. Es ist deutlich zu erkennen, dass keiner der Kreisläufe geschlossen ist, oder mit dem selben Produkt endet mit dem er begonnen hat, sehen sie selbst:

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IM SOG DES MÜLL.

Juli 22nd, 2011 · BESORGEN

Warum wird nun eigentlich speziell auf dem Plastikmüll herumgehackt? Eine Erklärung findet sich in den Ausmaßen der unbemerkten Verbreitung dieser Art Müll auf unserem Planeten. Dabei sind viele Eigenschaften, die Plastik hat besonders gefährlich. Das beste Beispiel dafür, ist der mittlerweile sehr bekannte “Great Pacific Garbage Patch”. Er ist einer der Müllstrudel, die sich auf unseren Weltmeeren gebildet haben.

Die großen Meereswirbel der Weltmeere.

Die großen Meereswirbel der Weltmeere.

Charles Moore war einer der ersten Forscher, die den Strudel 1997 entdeckten. Dieser Meereswirbel liegt ziemlich genau zwischen Hawaii und Kalifornien. Dort fließt das Wasser in einer langsamen Spirale im Uhrzeigersinn, die Winde sind schwach und die Strömung treibt alle schwimmenden Stoffe in das energiearme Zentrum des Wirbels. Dort verbleiben die Teile. Sie werden durch das Wasser immer weiter in Fetzen gerissen, bis sie schließlich nur noch 3 bis 5 mm große Pellets sind. Somit bietet sich dem Betrachter nicht das Bild eines geschlossenen Müllteppichs aus Zivilisationsmüll, sondern es sind kaum sichtbare Partikel aus Plastik, teilweise unter der Wasseroberfläche. Aber die Menge ist nichtsdestotrotz unglaublich. Anfang 2008 zirkulierten etwa 100 Millionen Tonnen Kunststoffmüll (mit steigender Tendenz) in dem Müllstrudel. (Quelle: Kathy Marks, Daniel Howden: The world’s rubbish dump: a tip that stretches from Hawaii to Japan, The Independent, 5. Februar 2008) Aus Wasserproben errechnet Moore eine Menge von ungefähr einem Viertel Kilo Plastikmüll pro hundert Quadratmeter. Und das auf einer Fläche so groß wie Mitteleuropa.

Der Great Pazific Garbage Patch zwischen Hawaii und den USA.

Der Great Pacific Garbage Patch zwischen Hawaii und den USA.

Schon immer haben die Menschen Müll ins Meer gekippt. Das war schon immer unschön, aber Speisereste, Holz, Glas, Metall oder Papier werden über kurz oder lang von Mikroorganismen zersetzt und abgebaut. Mit der Erfindung jedoch von Stoffen, die durch ihre Langlebigkeit bestechen, für ein langes Leben aber zu billig sind, hat sich die Problematik in den Meeren verschärft. Denn dieses Plastikpulver, das in dem Müllstrudel schwimmt wird von winzigen Tierchen, den sogenannten Filtrierern, mit Plankton verwechselt und aufgenommen als Nahrung. Damit ist das Plastik in der Nahrungskette. Im Müllstrudel des Pazifik befindet sich laut Berechnungen Moores sechzigmal soviel Plastik wie Plankton. Diese Plastikpartikel sind mit verschiedensten Giften angereichert, unter anderem mit dem krebserregendem PCB. Die Filtrierer werden dann von höher entwickelten Tieren gefressen, so wandern die Gifte immer weiter aufwärts in der Nahrungskette.

Plastikmüll im Atlantic-Garbage-Patch

Eine Studie der UNO hat ergeben, dass über achtzig Prozent des Mülls im Meer und an den Stränden an Land entsteht – von Menschen, die ihren Abfall nicht entsorgen und ihn deshalb lieber ins Wasser werfen, und Industrien, die das Gleiche tun. Zwanzig Prozent des Abfalls kommt von Schiffen, deren Besatzungen alles über Bord werfen, was nicht mehr benötigt wird.

Wie auch im Wasserstrudel, gelangt Plastikmüll im Stoffkreislauf irgendwie immer wieder zurück zum Menschen, meist mit tödlichem Ausgang. In der kleinsten Menge sind so mit Gift angereicherte Teilchen für uns sehr gefährlich. Wenn ein Vogel ein Fragment einer Plastikflasche frisst, ist das meist sofort tödlich für ihn. Sein kleiner Magen kollabiert dann einfach. An diesem ganzen Szenario zeigt sich, wie weitreichend die Verwendung von Plastik im Alltag ist. Allein das Ausmaß der Wirkungskette lässt einen erschaudern.

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